Teufelsmauer,
Hexenwerk - die volkstümlichen Bezeichnungen für den Pfahl (von
lat. pallidus = bleich,fahl) lassen erkennen, dass die bizarren
weißen Felsen schon früh die Phantasie der Menschen beschäftigten.
Fast schnurgerade verläuft der Pfahl auf einer Länge von über
150 km von Fürholz bei Freyung im Unteren Bayerischen Wald bis
nach Schwarzenfeld in der Oberpfalz. Auch die Wissenschaft lieferte
mehrere Theorien zur Entstehung des Pfahls. Erst der Mineraloge
Richard Hofmann stellte 1962 fest, dass der Pfahlquarz ein kompliziertes
"Flieder- und Scherspalten-Sytem" füllt, an das morphologisch
weiche Gesteine, die Pfahlschiefer angrenzen.
Der milchig-weiße Pfahlquarz besteht zu 95 - 98 % aus Kieselsäure
(SiO2). Gelbliche bis schwach rötliche und graue Farbvarianten
werden durch geringe Anteile von Eisenverbindungen und Verunreinigungen
durch Pfahlschiefer verursacht.
Wegen
seiner relativ hohen Verunreinigung wurde der Pfahlquarz von
den Glashütten nur ausnahmsweise für die Glasherstellung benutzt.
Eine wesentlich bedeutende Rolle spielte er als Schotterlieferant
für den Straßenbau im Bayerischen Wald. Heute ist der Pfahlquarz
zu einem gesuchten Rohstoff der chemischen Industrie geworden.
Zum Beispiel wird aus Quarz gewonnenes Reinst-Silizium für
die Mikrochip- und Solarzellenherstellung verwendet.
Die freien, gut
besonnten Felsgratbereiche und die südwestexponierte Pfahlseite
sind Wärmeinseln im ansonsten rauhen Klima des Bayerischen
Waldes. Sie sind deshabl bevorzugte Lebensräume wärme- und
trockenheitsliebender Pflanzen und Tiere.
Charakteristisch für den Pfahl sind die ursprünglichen Pioniervegetationen
der Quarzfelsen aus Silikatflechten und Krüppelkiefern und
lichte Eichen-Birken-Bestände in den Randbereichen - soweit
diese nicht durch Fichten- und Kiefernforste verdrängt wurden.
Eine Besonderheit des Weißensteiner Pfahl ist der laubholzreiche
Burgwald aus Bergahorn, Eschen und Ulmen.
Eine weitere typische
Pflanzengesellschaft der Pfahlregion ist die durch Rodung
und Beweidung entstandene Pfahlheide mit dem bestandsprägenden
Heidekraut und Magerrasenarten wie Arnika und Heidenelke.
Leider sind heute nur noch kleinflächige Reste vorhanden,
auch die Pfahlheide bei Weißenstein - noch bis in die 60er
Jahre ein guter Birkhuhn-Balzplatz - existiert nicht mehr.
Besondere
Bedeutung hat der Pfahl aber auch heute noch als Lebensraum
von Reptilienarten wie Schlingnatter und Zauneidechse. Neben
vielen anderen Insektenarten sind hier auch speziell angepaßte
und bereits äußerst seltene Ameisenarten zu finden. Fledermäuse
nutzen die Spalten und Klüfte der Quarzfelsen als Tagesverstecke.
Burgdaten:
Die Burgruine Weißenstein mit ihrer exponierten Lage auf einer
der höchsten Erhebungen des Pfahls zählt zu den bedeutendsten
und größten Burganlagen des Bayerischen Waldes. Die Burg wurde
etwa in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts an zentraler
Stelle am Handelsweg von der Donau nach Böhmen von den Grafen
von Bogen als Ministerialsitz errichtet. 1242 kam die Burg
mit dem Aussterben der Grafen von Bogen in den Besitz der
bayerischen Herzöge. Die erste urkundliche Erwähnung des "castrum
Weizzenstain" stammt aus dem Jahr 1244. Weißenstein ist
eine hoch- und spätmittelalterliche "Höhenburg"-Anlage.
Der Burgtypus entspricht einer sogenannten Axialanlage mit
Frontturm im Nordwesten. Die axiale Aneinanderreihung der
Gebäude resultiert aus dem reduzierten Platzangebot auf dem
schmalen Felsenriff.
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